Bleib eine Weile stehen und höre zu …

Dieses leise Trampeln sind es keine Ratten oder Tauben. Das sind Zwerge, die kleinsten Breslauer Einwohner. An der Breslauer Kreuzung koexistieren in Ruhe und Harmonie zwei Populationen d.h. Menschenpopulation und Population von Zwergen.

Trotzdem war bis vor kurzem die Anwesenheit der Zwerge in der Stadt kaum bemerkbar, und der durchschnittliche Stadteinwohner, ohne Touristen zu erwähnen, war dessen nicht bewusst, dass in Breslau  ziemlich große  Märchenminderheit existiert.

Zum Glück haben  sich die Zwerge im Zusammenhang mit der derzeit Andersartigkeit-Toleranz entschieden, aus dem Versteck herauszukommen. Von heute auf morgen, von Woche zu Woche werden immer mehr Treffen mit diesen faszinierende Wesen verzeichnet, und sie selbst scheinen immer weniger  ängstlich und nervös zu sein.

Mit Sicherheit hilft in der Integration beider Gesellschaften die herrliche Kriegsteilnehmerkarte, die Zwerge in den Zeiten des Kommunismus  aufgezeichnet haben, als sie zum ersten Mal seit vielen Jahren das bisherige aufgegeben haben und indem sie Repressionen riskierten, haben angefangen, sich mutig auf den Stadtmauern im stummen Protest gegen das System zu zeigen. Natürlich haben die Breslauer Einwohner das nicht vergessen und sie begrüßen jetzt diese eigenartiges, märchenhaftes „coming out” indem sie gern den Platz auf den Straßen für kleinere Mitbewohner ihrer Stadt machen.

Die Zwerge profitieren gern von der Einladung. Immer mehr von ihnen  kreiseln in der Umgebung des Marktes und der Altstadt, indem sie Stadtverstecke als ihr neues Zuhause betrachten. Mit täglichen Beschäftigungen in Anspruch genommen, scheint es, dass die oft auf vorbeigehende große Menschen keine Aufmerksamkeit lenken, und immer mehr von uns hört auf zu staunen und betrachtet die Anwesenheit der Zwerge als etwas  selbstverständliches, als festes Element der Straßenkolorits, das erst bemerkt wird, wenn es verschwunden ist.

Aus diesem Grund  plant das Stadtmagistrat, an Einwohner und Touristen einen offiziellen Appell mit der Bitte zu richten, damit sie aufmerksam treten und  so unter die Füße blicken,  um Risiko des Stolperns und Risiko des Zertretens zu minimieren, und damit weitere Integration der Gesellschaften genauso harmonisch und konfliktlos wie bisher verläuft.

Die gemeinsame Koexistenz basiert jedoch nicht auf amtlichen Entscheidungen. Die Mitglieder beider Kulturen bemühen sich aus freiem Willen und in eigener Regie andere Seite zu entdecken und zu verstehen: was noch wichtiger ist,  erforschen die Zwerge die Welt von großen Menschen, indem sie auf Laternen und  Gesimse hinaussteigen, kurzum alles machen, um die Wirklichkeit aus unserem Standpunkt  kennenzulernen. Wiederum kann man in späten Nachtstunden, besonders an Wochenenden Menschen treffen, die Breslaus aus der Froschperspektive des Zwerges bewundern. Gerade diese von unten kommenden gesellschaftliche Initiativen am besten  den gemeinsamen Beziehungen dienen, Horizonte erweitern, Toleranz  entwickeln sowie künstlerisch stimulieren.

Jedoch beide Gesellschaften, größere menschliche Gesellschaft und diese kleinere Gesellschaft von Zwergen ziehen sicherlich aus anderem Grund einander. Beide Gruppen geben sich gegenseitig etwas, was sie selbst nicht gewinnen können.  Durch Anwesenheit der Zwerge gewinnen die Menschen etwas unreales, ein Märchenelement in seinen bis  zu schmerzhaften, materiellen Lebensweisen.  Zwerge umgekehrt, sie hängen an die Menschen, um seine  etwas mythische Existenz der Realität anzupassen, mehr wahr zu werden, aus dem Schatten der Sagen und Märchen zu treten.

Deshalb manchmal an leise Schneenächte scheint die Landschaft der Stadt  wie erwärmte Luft über die Autobahn zu wellen. Das fließt die Wirklichkeit auseinander, vermischen sich die Welten, und Breslau wird zur Stadt, die er wirklich darstellt, ein Treffpunkt. Der Treffpunkt von Menschen und Zwergen, von  der Realität und von Träumen, von zwei symbiotischen Kräften, voneinander ziehen und  ohne einander existieren zu können.

Bleib eine Weile stehen und höre zu…